Archiv der Kategorie 'kaum zu glauben'

27
Mai
09

wollen wir Zensur?

Es folgt ein wichtiger Artikel von jensscholz.de, dessen Inhalt uns alle etwas angeht:

Warum es um Zensur geht
Da reiben sich gerade so viele die Hände, daß man eigentlich ein beständiges Rauschen hören müsste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuführen war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalität nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenmäßig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie schützen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod führen kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der übrigens natürlich nicht im Netz „erwischt“ wurde, sondern über Handykontakte und DVDs per Post).
Aber ich schweife schon wieder – wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gewünscht ist – ab.
Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja natürlich nicht, daß man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie.
Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, daß eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, Zensur ermöglicht wird. Auch wenn die zunächst gesperrten Websites tatsächlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten müsste) wäre sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu können.

Technik
Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, daß Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen könne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden.
Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erhält die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, weiß er nicht und nachprüfen darf er das auch nicht, da ja schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, daß er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen.
Die allein schon technisch verursachten Risiken für jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie müssen künftig ihre Unschuld beweisen, z.B. daß sie „versehentlich“ die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spaß beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erklären, wenn Sie überhaupt wissen, was das ist.
Die Lösung zunächst: Den Nameserver umstellen, um sich dieser Gefahr vollständig zu entziehen. Geht schnell und kann jeder.
Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbemühungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort können dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von Nerds gebaut worden. Ein Staat kann da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren können.

Verwaltung
Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen:
1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Prüfungsinstanz erstellt und die die Provider möglichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter über den Inhalt, es überprüft keine unabhängige Institution über die Rechtmäßigkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen überhaupt wieder von der Liste gelöscht werden könnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher darüber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei.
2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die Öffentlichkeit gerät kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verdächtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert.
3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, daß das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz möchte, daß auch „mittelbare“ Seiten gesperrt werden können, kann somit de facto auch jede Seite gesperrt werden.
4. Das System soll die direkte Verfolgung von Zugriffen erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass für verdeckte Überwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorgänge sein.
Die Staatsanwälte dieses Landes üben ja seit einiger Zeit kräftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen über eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu möglichst spektakulär und öffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, Frau B.).

Psychologie
Womit wir schon beim gewünschten Effekt von Zensur sind: Die Einführung der Schere im Kopf. Die wirksame Selbstzensur, weil man nicht weiß, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik äußert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre völlige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewußt eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen.
Ein anderes ist die Verknüpfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels wären. Man weiß ja inzwischen, daß auch nur der leiseste Ruch, man könnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und Pädophilen zu tun haben, die Existenz vernichten kann, selbst wenn hinterher rauskommt, daß tatsächlich nichts an den Vorwürfen dran war. Wie nahezu generell nichts rauskommt. Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was natürlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weil sein Versuch, diese Schere im Kopf einzuführen (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden Trigger dranhängt (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt).
Die Justizministerin gibt dann noch Tipps in die richtigen Richtungen, die natürlich prompt reagieren. Überhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, daß Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war – so sagt sie zumindest – sie es, die den Gesetzentwurf gegenüber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen verschärfen ließ und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.

Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft überhaupt dazu kommen kann, daß ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu müssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich zähle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bekämpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel „Kampf der Kulturen“ drüben bei netzpolitik.org durchlesen.

Originalartikel mit Links: http://www.jensscholz.com/2009/04/warum-es-um-zensur-geht.htm
Danke Jens!


weitere Infos:
heise: Webseiten mit Kinderpornografie lassen sich schnell aus dem Internet entfernen
und hier steht, was Du tun kannst!

Was hältst Du von den aktuellen Bestrebungen der Politik?
Bist Du für Zensur, oder dagegen?
Sag uns Deine Meinung in den Kommentaren!

09
Nov
08

9. November 1938 – Nie Wieder!

Kristallstern

„Ich kann mich erinnern, der beste Schüler in unserer Klasse hieß „Blau“.
Er war Jude.
Als wir am 9. November 1938 in seine Straße einbogen, waren seine Fenster eingeschlagen, und heraus flog ein Klavier – Sein Klavier.“
Ein Zeitzeuge

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland ca. 400 Menschen Opfer von Morden, Selbsttötungen und schweren Körperverletzungen mit Todesfolge.

1.406 Synagogen und Betstuben wurden vollständig zerstört. Das sind nahezu alle, die sich damals in Deutschland befanden.

Des weiteren wurden 7.500 jüdische Geschäfte, Wohnungen, Gemeindehäuser und Friedhofskapellen zerstört.

Hinzu kommt eine unbekannte Zahl von Vergewaltigungen jüdischer Frauen.

Das gesamte Ausmaß der Novemberpogrome des Jahres 1938 ganz zu Schweigen von den folgenden grauenhaften Verbrechen der Nazizeit ist einfach nicht zu fassen.

Der 9. November 1938 und die Tage danach werden oft als „Reichspogromnacht“ oder „Novemberpogrome“ bezeichnet.
Die fabrikmäßigen Massenmorde von jüdischen Menschen in und aus ganz Europa durch die Nationalsozialisten gehen jedoch über jedes Pogrom der Geschichte weit hinaus und sind selbst mit dem Wort Genozid (Völkermord) nur unzureichend zu fassen. In der Nachkriegszeit wurden die Worte „Shoa“ (Hebräisch für „Unheil“, „große Katastrophe“) und Holocaust (Griechisch für „vollständig Verbranntes“, d. h. „Brandopfer“) für die Verbrechen der Nationalsozialisten neu definiert.

Mit meinen 23 Jahren gehöre ich zu einer Generation, welche die Geschehnisse der Judenverfolgungen unter dem nationalsozialistischen Regime nur aus Erzählungen kennt. Ich kann auch nur noch sehr wenige Augenzeugen befragen, da das ganze über 62 Jahre her ist.

Ich weiß aber, dass wir weder vergessen, verleugnen, noch aus Angst verschweigen dürfen, was geschehen ist!

„Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.“ Dr. Ingeborg Bachmann

Deshalb nehme ich mit diesem Artikel und im RL an folgender Aktion teil:

Projekt „Kristallsplitter“ zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht

Pressemitteilung:

„Der Weltkongress russischsprachiger Juden (World Congress of Russian Jewry“ – WCRJ) startet ein Projekt, das dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht gewidmet ist. Es wurden mehrere Tausenden Abzeichen vorbereitet, sog. „Kristallsplitter“ in Form eines Davidsterns mit der Aufschrift „Nie wieder!“ in verschiedenen Sprachen (Englisch, Deutsch, Russisch etc.). Diese Abzeichen werden dann von den Aktivisten in verschiedenen Ländern verteilt und Menschen, die an dieser Aktion teilnehmen, werden sie am 9. November 2008 als Erinnerung und Mahnung tragen. Zurzeit laufen die Vorbereitungen in Israel, USA, Großbritannien, Italien, Tschechien, Polen, Bulgarien, Lettland, Estland, Rumänien, Österreich und Deutschland. Diese Aktion hat jetzt schon ein großes Interesse von der Seite der internationalen Presse erweckt.“

Quellen:

Wikipedia: Novemberpogrome
Wikipedia: Holocaust
Wikipedia: Pogrom
Bild2
Danke Chajm für den Hinweis
Zitate zu „Geschichte“

28
Okt
08

„Sieg Heil“-Durchsage in Wiener Straßenbahn [Update mit Video]

Wien, 25. Oktober: Während der offiziellen letzten Fahrt der Straßenbahnlinie 1 um den Wiener Ring beendete der Straßenbahnfahrer eine zuvor angekündigte Durchsage mit den Worten „Sieg Heil“.

Da er das ganze vorher angekündigt hatte filmten mehrere Fahrgäste die Ansage mit Handys und Kameras. Einige Aufnahmen landeten schließlich auf YouTube.
Das Originalvideo ist inzwischen gelöscht, es gibt aber ein weiteres auf YouTube und -> eines auf dem Onlineportal Vienna Online.
Ein kürzeres Video zeigt anscheinend einen Teil am Anfang der Durchsage, der auf den anderen nicht hörbar ist, hier nennt der Straßenbahnfahrer sein Fahrerhäuschen einen „Führerstand“.

[Update 29.10.: nachdem das YouTube-Video wieder gelöscht wurde, ist hier das nächste.]

[Update 03.11.: nur noch das Video auf Vienna Online ist verfügbar.]

Quellen:
Die Jüdische
Vienna Online
Das Video wurde vom YouTube-User frisch123 hochgeladen
YouTube-User Hunne128
durch oliverritter bin ich darauf aufmerksam geworden

Ich konnte es kaum glauben, als ich die Überschrift heute Mittag laß, mir fehlen auch immer noch die Worte… und die meisten Leute in der Bahn scheinen auch noch zu jubeln und sich zu freuen.
*kopfschüttel*




Stoppt die Zensur!
Wie lebt es sich mit einer Israelfahne am Rucksack in Hannover? Diese Frage und noch viel mehr versucht dieses Blog zu beantworten.
Israelfahne 012

der neuste Senf

Mig zu Kontakt
elishamajesusfan zu Kontakt
Mig zu Kontakt
timmy zu Gruppenfoto
van_uem zu Gruppenfoto

Du bist der

  • 4,549 te Besucher, schön das Du da bist :-)

Elishama ist

My status

Creative Commons License
Die Texte und Fotos in diesem Blog von elishamaJesusfan stehen soweit nicht anders vermerkt unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Der schicke, grüne Smilie mit dem Zensurschildchen kommt von Michael Niedermayr